huslige is watching you

Der große Preis im Welttheater an Club 49

des is a so a Sach..... mit dem Grandprix. Ich brauche ja wohl nicht zu betonen, dass Huslige dieses Spektakel nur unfreiwillig, aus Langeweile, Verfügbarkeit und einer gewissen Gruppendynamik heraus angesehen hat (räusper). Zum Glück nicht in voller Länge, es gibts ja gottseidank genügend Kneipen hier am Kiez wo man die Zeit sinnvoller erschlagen kann.

Nichts desto weniger möchte ich anmerken, dass mir der Auftritt der als Trolle verkleideten Finnen SEHR zugesagt hat (weichgespülter Troll-Metall? Finntrolls Cousins aus dem Mädchenpenisonat? oder so). Die Letten mochte ich ebenfalls, die weißen Anzüge, ihr Comedian Hramonists-Geschmachte und das Beat-Boxing waren eine durchaus gewagte Kombination. Ich hoffe dass eine der beiden Gruppen gewonnen hat, habe aber keine Lust, das nachzuprüfen.

Ungeschlagen allerdings war mein Eindruck von den Delphinen in der Eröffnungsshow: Man stelle sich eine barocke Welttheater-Kulisse vor, mit Sonne, Wolken, Meer: Tänzer in Ganzkörper-Delphin-Kostümen aus denen nur silbern geschminkte Beine hervorsahen, rollten in energetischen Puzelbäumen durch blaubetuchte Tänzerinnen, die vermutlich das Wasser vorstellen sollten. Großartig.
Lordi

Später besuchte Huslige - erschlagen vom TVTrash - den Kieztrash und schlug im Club 49 auf, wo "Die Königinnen des Indiepop sich die Ehre gaben". Hübsche junge Damen aus Bayern mit silbernen Debutantinnen-Kronen am Mixer, viel schöner alter Pop, Soul, Rockabilly und so, angenehm war das. Club 49 sieht übrigens, wie eine Mittrinkerin trefflich bemerkte, aus wie das Set für einen "Film von solche Studenten aus der Filmhochschul".
Die Bar ist schon so Kreuzberg, dass man meint es wäre eine Inszenierung von Kreuzberg, alles gedoppelt und gedreifacht.

Club 49
Ohlauerstr. 49
10963 Kreuzberg

Huslige Bewunderung an den Barkeeper, der in der Enge seines Käfig-artigen Tresens den überblick über 30-50 feiernde Kiezbewohner und deren Konsum behält. Zum Kochen gelangte die Bar, als eine der beiden Indipopprinzessinnen "Billie Jean" von MICHAEL!!! auflegte. Das erinnerte Huslige wiederum an die sehr hübsche Inszenierung "Jacko Unbplugged" im HAU 3 von Barbara Weber, in der das Phänomen Jacko als Teil einer kruden Geschichte des schwarzen Pop erzählt wurde, mit viel Plüsch, politischem Wissen und Spass. Barbara Weber inszeniert übrigens auch fürs neue Haus der Münchner Kammerspiele - so zur Info für die Leser aus dem Süden - ihre Sachen sind auf jeden Fall sehenswert.

Afrika

Nach der Aufführung, in der es unter anderem um die eklige US-Tradition der Mistral Shows ging fuhr die Ubahn an der Prinzenstraße an der Plakatwerbung für AFRIKA! AFRIKA! von André Heller vorbei. Unter der Überschrift "Der Kontinent des Staunes" prangt das Gesicht eines Menschen "of colour" (nicht genauer zu definieren) mit einer Art Stammesbemalung und einem Flammenkreis ums Haupt. Oh. je. oh. je. Hat das Volk mal wieder eine Völkerschau gebraucht, hm? Ich muss schon sagen, das ist eine Nummer zu viel. Mir grausts.
PS.: Gut. huslige Neugier. ich hab doch nachgeschaut. Die Finnen haben tatschlich gewonnen. Ein Schlag in die Schnauze der Delphine würd ich meinen. Hihi.

Schlemmerecken: Frische Spargel, Neue Bohnen

Lustigerweise gibt es die aller- aller- aller-schönsten Spargel die ich in den letzten Tagen - ob hier in Berlin oder unten im Süden - bekommen habe, beim türkischen Supermarkt im Schlemmereck beim Schlesischen Tor.

Bild hier anschauen

Das Schlemmereck ist sowieso unverwechselbar und großartig. Im Bagdad gibts inzwischen Fritten mit Mayo oder sonstiger Sooooße zu 90ct - und, im Sommer - einen sogenannten "Familiengarten".
Das Schild "Runde Mini Pizza" weist in seinem schlichten Dadaismus und seinen leuchtenden Farben meinen Freunden den Weg, wenn sie mich zum ersten Mal zu Hause besuchen.
Und neben dem besten Spargel verkauft der türkische Supermarkt qualitätvolles Fleisch, viele Sorten Oliven und lustige Rasierseife. Kürzlich bin ich so etwa um 21.20 hungrig von der Arbeit nach Hause gegangen, der Supermarkt machte gerade zu. Auf meinen verzweifelten Gesichtsausdruck hin hat der liebe freundliche Metzger mich aber nach drinnen gebeten, mir ein sorgfältig dünn geklopftes Steak verkauft und mir zum Steak noch eine Tüte Champignons geschenkt, weil er meinte, die wären doch lecker dazu...
Aus der Bäckerei nebenan riecht es immer seltsam nach Backpulver, verbrannten Nüssen und heißem Zucker, ein Geruch der mich täglich heim begleitet - 24 Stunden am Tag kann man wackere Bäcker mehr oder minder leckere Brötchen, Kekse, Kuchen, Fladenbrote, Sesamkringel herstellen sehen. Hungrige Partygänger futtern nachts um 3 draussen Tüten mit gemischtem Kleingebäck leer....
Aber zurück zum Spargel: Wenn ich Geld und Hunger habe gibt es Stangenspargel mit in Butter angerösteten Semmeln-Bröseln und Gartenkresse (so das Rezept meines Papas). Wenn es aber - so wie heute, nach einer Woche kostspieligen Münchenaufenthalts, nur für 4-5 Stangen reicht, hält meine Küche noch
Eine! einzige! weiter akzeptierte Spargel-Variante bereit:

Lauwarmer Spargel-Tomatensalat

Spargel in Essig-Zucker-Salz wasser bißfest kochen; inzwischen 1 Löffel Dijon Senf, ganz wenig geriebenen Knoblauch, ordentlich milden Weißweinessig, 1 Prise Zucker, Salz, Pfeffer und 1 Löffel Olivenöl zu einer Vinaigrette verrühren, diese mit 2 El Spargel-Kochwassser verdünnen. 3 Tomaten in Würfel schneiden und in der Soße versenken, den Spargel - noch heiß - in mundgerechte Stücke teilen und dazu geben, mit viel geschnittener Gartenkresse garnieren.

Schön dass der Frühling da ist, oder? Das sollte man danach dann noch ein Stünderl feiern gehen...
ach ja. Gestern Nacht um 1 z.B. trank Huslige glücklich in milder Luft ein (echtes!) Radler aus Zitronenlimo (nicht Sprite) und Augustiner Hell (nicht Becks) im Freien. (dies im Valentin; vgl unten)... Da das aber noch nicht jede Nacht geht und daher der Club der Visionäre noch nicht hundertprozentig empfohlen werden kann: Besucht das Neue Bohnen. Seit einem Jahr erfreut sich Huslige dort des guten Gin Tonics, des interssanten Einrichtungsgeschmacks, der netten Betreiber und der hervorragenden Musik. Ehrlich empfehlenswert. (...und Augustiner gibts dort auch; ...wo allerdings nicht mehr..)

Neue Bohnen
Schlesische Str. 28

10997 Berlin

Jessas Maria da erschte Wurm!

Nur aus Freude am teilen, und weils die Huslige nach bissl über einem Jahr wieder entdeckt hat: Hörts mal rein in den Austrofred.
I Lieg Am Ruckn Mp3


Eich Dodln Gib I Gas Mp3

Wunderbar grade am ersten der beiden Lieder ist die ironisch im schiefen Austrofred-Gekreische gebrochene Tragik des zu Tränen rührenden Texts..., das am Ösi-Akzent schrubbernde Pathos der Queen-Melodie... Leicht wehmütig, passt das wunderbar in huslige Laune, a bissl Heimweh nach dem Süden ist im Moment schon vorhanden, grad wenn man sich die hübschen Fotos auf delicious days zum Flohmarkt auf der Theresienwiese anschaut... Aber dann singt der Austro Fred "Jessas Maria da erschte Wurm" und die Huslige lacht herzhaft, grämt sich nimmer und spaziert unter brav sprießenden Bäumen den Landwehrkanal entlang. Morgen gehts eh in den Süden, wenn auch nur für ein paar Tage; und mit Sicherheit wird die Münchner Sauberkeit wieder mal erschrecken nach Monaten Pause, die brummligen Bayern werden mir komisch scheinen und ich werde mich nach der ersten Hundekacke am Schuh sehnen....

Und weil mich sowohl der erschte Wurm an die Biergartensaison, als auch der neu eröffente Valentin an eine zünftige Schmankerlküche erinnert hat, drüber hinaus das leibliche Wohl dem Heimweh entgegenwirkt, hier ein supper Rezept für einen hausgemachten Obazten:

6 Portionen aufs Brot:
1 großer - qualitätvoller! - mittelreifer Camembert
(- und auch wenns noch so stinkt -) 1/2 Limburger
1/2 Paket weiche Butter
1 kleine Zwiebel
Paprikapulver, ganzer Kümmel, Pfeffer, Salz
3 EL Bier

Zwiebel ganz fein hacken; Käse in kleine Würfel schneiden - wenn er reif genug ist, bedeutet das eher: matschen. Butter mit dem Rührgerät rühren, bis sie geschmeidig ist; Käse dazugeben und gut vermischen, Zwiebelwürfelchen und Bier dazu; mit Paprikapulver, Pfeffer und Kümmel würzen. Kühl stellen und durchziehen lassen. Erst ganz zum Schluß salzen, - falls überhaupt nötig. Auf Schwarzbrot oder Brezn, mit Petersiliensträußen zu garnieren... Wohl bekomms.

Endlich zümpftig!

Liebe Exil-Bayern und Schwaben. Jetzt einmal ehrlich, da schwärmt man den armen Norddeutschen von jenseits des Weißwuschtäquators wiederholt von der großartigen Schmankerln- und Biergartenküche, den supper Brotzeiten und dem herrlichen Faßbier vor, was es im Süden überall, ständig und unerschöpflich geben soll... und tatsächlich.... wenn man sichs mal genau überlegt ist es doch jedes Jahr beim südlichen Sommerurlaub oder während des Familienbesuchs an den Feiertagen das gleiche Ärgernis, und eine herbe Enttäuschung. Man kann wie ein(e) Wilde(r) herumsuchen, meistens ist die Bedienung in den Wirtshäusern und Biergärten pampig, der Kartoffelsalat ebenso, ganz zu schweigen von den enttäuschenden aufgewärmten "Schmankerln" ... an den Krautsalat aus dem 10 Liter-Eimer mag ich gar nicht denken!

Laut geseufzt - und dann gefreut. Denn die Suche hat ein Ende. Mitten im guten alten Kreuzberg hat ein bayerisches Gasthaus seine Pforten geöffnet, das neben Augustiner Hell, Paulaner Pils und Weihnstephaner Dunkel vom Fass noch helles und dunkels Weißbier aus der Flasche und Augustiner Edelstoff verkauft - und daneben, zu allem Überfluss - täglich mit selbstgebackenem Kuchen und hausgemachten bayerischen Schmankerln aufwartet, die diesen Namen auch wirklich verdient haben. Für die Ohren gibts dann noch Haindling und Biermösl Blosn. Drum auf zum würzigen Leberkäs ins niedliche - und ganz und gar nicht weiß-blaue -

Cafe Valentin in der Körtestr. 21, Nähe U Südstern.

Zum Namenspatronen des Cafe Valentin findet man übrigens hier und hier interessantes. Und dieser Link darf für all diejenigen interessant sein, die sich für bajuvarische Subkultur interessieren.

Und die Zitronen blühn...

Weil Huslige jetzt wieder offiziell Italien mögen kann, hier mein liebstes Lasagne Rezept:

350 g gemischtes Hackfleisch (Lamm, Rind, Kalb... kein Schweindl) mit 1er gehackten Zwiebel und 2 Zehen gehacktem Knoblauch, sowie 1 gewürfelten Karotte und etw. gewürfelten Knollensellerie andünsten. Mit Kräutern, Chilli, klein wenig Zimt, etwas Cumin und Salz und Pfeffer würzen, etw. weiterschmoren, mit ein wenig Rotwein und einer Dose Tomaten in Stückchen ablöschen und mind. 1/2 Stunde köcheln lassen.
Unterdessen viel Käse reiben (Greyzer.... Appenzeller u.ä. Bergkäse schmeckt am besten)
Ofen auf 200°C vorheizen und sobald die Soße lecker ist, die Lasagne wie folgt zusammen bauen: unten Soße, dann 1 Schicht Lasagne-Platte(n) - die ohne vorkochen - wieder Soße, darauf dünn Bechamelsauce (kann man in dem Fall auch fertig kaufen, schmeckt trotzdem) Käse... Platten, Soße, Bechamel, Käse usf. - Oben mit Käse abschließen. In der geschlossenen Form - bzw. mit Alu bedeckt - in den heißen Ofen schieben; 30 Minuten backen. Dann eine viertel Stunde ohne Abdeckung bräunen lassen. Fertig. Lecker.

Ach Bella Italia. Kopfsalat dazu, Wein entkorkt und die Füße hochgelegt. Eine der besten Arten, die Frühjahrsmüdigkeit zu zelebrieren und gepflegt darauf zu warten, wann denn endlich das Laub auf die Bäume zurückkehrt. Vielleicht fährt Huslige ja nach langer Zeit mal wieder nach Süden, wo die Zitronen sicher schon blühn.

Rosige Ostern

Vorgestern mit der kleinen (naja...) Schwester im Rosis gewesen und eine richtig gute Party gehabt. Trotz Billigst-Hain, dass der Husligen sonst nicht unbedingt taugt und gruslig-dunklem Weg bis zum Rosi-Gelände. Auf die Party sind wir über die Ankündigung im Tontransfer gestoßen, wo man immer wieder einen Glücksgriff tun kann.
Eine nette Mischung bot das Rosis, bezogen auf alles: die DJs erfreuten mit guter Mixkunst, der Gin Tonic war lecker und das Publikum sowohl Alters-, als auch homo/hetero-mäßig fein durchwachsen. Zwei Räume mit unterschiedlicher Musik, Charme des Abruchgeländes, Garten mit Sand usw. usf.
Und die B-Girls, die mit österlichen Girls Breaks erfreuten, waren richtig süß.

Tags drauf, leicht verkatert aber glücklich, überkommt Huslige eine mütterliche Sonntags- und Kuchenbackstimmung, und österlich hingerissene Erinnerung an den Osterhastenkuchen der böhmischen Oma - nicht zuletzt, weil delicious days zuletzt eine wunderschöne Biskuitrolle gebacken hat, die solcherlei Romantik förmlich erzwingt.

Der Osterhasenkuchen meiner Oma
Man braucht 1 Biskuit für eine Torte, den macht man z.B. so:
4 Eiweiß, 4 Eigelb, 100 g Zucker, 80 g Mehl, 80 g Stärkemehl: Eiweiß steif schlagen, dann den Zucker zugeben und so lange schlagen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Die Eigelbe unterziehen, dann das mit Stärke vermischte Mehl darüber sieben und ebenfalls mit dem Schneebesen unterheben. In die Backform streichen und bei 200°C ca. 20-25 min. backen.

Außerdem: 1 kleines Glas gutes säuerliches Johannisbeergelee, 1 Becher Sahne, Saft von 1 Zitrone und einer Orange, 2 Esslöffel starker Rum. Zuckerguss aus Puderzucker und Zitronensaft. Kokosflocken.

Wenn der Biskuit gebacken und ausgekühlt ist, teilt man ihn vorsichtig in drei Platten oder hölt ihn in der Mitte aus (je nachdem wie hoch er aufgegangen ist) - die mittlere Platte (das Herausgehölte...) vearbeitet man zu kleinen Bröckchen, tränkt diese mit Orangensaft, Zitronensaft und Rum und mischt sie mit der steif geschlagenen Sahne und einigen Löffeln Johannisbeergelee zu einer marmorierten Masse und füllt den Kuchen damit. Wenn der Kuchen zusammengebaut ist, werden sein Deckel und Rand erst dünn mit Johannisbeergelee und dann mit Zuckerguss bestrichen; solange der Guß noch feucht ist marmoriert man diese beiden Schichten mit einem Löffel, das sieht sehr hübsch aus.
Der Rand des Kuchens wird dann noch mit Kokosflocken verziert.

anonym sister

Am besten schmeckt das Ding, wenn es anschließend eine Nacht kühl gestellt wird.
hmmm .... ach Kindheit... Zuckerschocks..., Babyspeck... Seufz...
Ich geh jetzt Kuchen backen. Für meine kleine Schwester.

Oliven und selbstständiger Camembert - später auf einen Kaffee mit Sick Boy

Laue Luft und frohe Laune führten Huslige heute ans Maybachufer zum Wochenmarkt (bitte unter diesem Link die Mp3 beachten), da kann man Glück kaufen (oder einfach bloß erlaufen). Schon am dritten Stand bleibt Huslige in plötzlicher Konsumgier stehen und ordert 150 g Oliven in Kräutern. Noch während der nette Verkäufer die Ware - wegen des Öls - sorgfältig in 2 Tüten schlägt, schämt sich Husilge, wohl wissend, dass aller Sorgfalt zum Trotz sofort drüber hergefallen werden muss... Weiter auf ins Gedränge und dabei mit frühlingshaft kirschfarben lackierten Fingernägeln in die Tüte gegriffen, dann gar reingerüsselt, bis Nägel, Finger und huslige Schnute mit Öl und mediterranen Kräutern verziert sind.

Markt

Nach dem Fressanfall im Gedränge (3 Anstandsoliven bleiben übrig) werden verstohlen die Finger beleckt und an der Jeans abgewischt und weiter gehts an jeder Menge Augen, Ohren und Nasen-Schmaus vorbei. Hmmm... Tintenfische auf Eis wechseln sich mit Orangenbergen ("Orangen 3 Kilo für 2!"), Gewürzen, synthetischen Tüchern, Plastikspielzeug, Süßigkeiten und Brotbergen ab. Herrlich ist das. Zum kläglichen Olivenrest wandern in der nächsten Stunde eine immense Tüte Eisenkraut (= Verbena. - ein super Tee, "reiner Wohlfühltee" wie mir eine Verkäuferin mal versicherte), mehr eingelegte Oliven (diesmal unangetastet), gefüllte Peperonie, ein Ziegencamembert (so weich dass er sich schier verselbstständigt) und ein wirklich übertrieben großes Paket einer mir bis dato unbekannten türkischen Süßigkeit aus getrockneten Aprikosen, Pistazien, Kokosflocken und Feigen.
Glücklich und fast pleite dann auf einen Absacker-Kaffee in die Ankerklause, einen Tisch am Fenster Richtung Kanal erwischt und, mit einem Ohr dem wild berlinernden Gewäsch der Bardamen gelauscht, mit einer Hirnhälfte die inzwischen neongelb erscheinenden Trauerweiden am Landwehrkanal betrachtet, deren Zweiglein Miniaturblätter treiben, mit der anderen das Interieur des Cafes bewundert, das zwischen Hafen-Kitsch, berliner Bierseligkeit und Punkrock-Klitsche changiert - einen Milchkaffee getrunken. Und weils so schön war, und Huslige grad im Frühjahr recht anglophil ist, musste noch ein Cheddar-Toast mit Jalapenoschoten und Tomaten hinterher. - Satt und selig liebe Freunde -
PornoAnker

Unterdessen liest Huslige übrigens (anglophil...) fleißig in Irvine Welshs "Porno" - dem Nachfolgeroman zu Trainspotting - Leith 10 Jahre danach. Passt in die Ankerklause (Vgl. hier: Ankerklause Foto und da: Trainspotting Foto) und ist auch sonst zu empfehlen. Trotz - oder grade wegen seines Fortsetzungcharakters. Denn zugegeben, Mark Renton, Sick Boy, Spud und Begbie wollte man doch irgendwie einfach noch mal erleben, oder?

Clownsenten und sozialistische Überbleibsel

Zwei größere Spaziergänge machte Huslige dieses Wochenende. Einmal rund um den Schlachtensee, bei dessen Namen ich selbstverständlich immer (wenn auch mit gerunzelter Stirn) an eine Schlachtplatte - also was fleischig üppiges und auch irgendwie Rotes dachte. Inzwischen habe ich erfahren dass das "Schlachten" im See nichts mit Gemetzel sondern vielmehr mit einer mir unbekannten slawischen Sprache zu tun hat. (vgl. Wikipedia zum Schlachtensee). Tatsächlich ist der Schlachtensee im Moment ein Ausbund an Dezenz in Farbe und Bewuchs. Kahl, braun, beige, stahlblau. Beruhigend wäre das fürs Gemüt, würde nicht auf der einen Seite die Autobahn, auf der anderen Seite die S-Bahn sausen und ringsum halb Berlin spazieren. Ein wirklicher Lichtblick und Farbkleks waren hingegen entzückende Wasservöglein in clownesk buntem Gefieder, wie eine Mischung aus Ente und Papagei anmutend. Und ganz versöhnt haben mich der beginnende Regen, der die Ausflügler wieder in die S-Bahn zurücktrieb und der Erpel, der mit vorgerecktem Kopf und entschlossenem Gesichtsausdruck (ja das geht) unter leise splitterndem Geräusch einen letzten Rest dünner Eisschicht auf dem See durchbrach.

Mandarin Entesowjetisches Ehrenmal, Bildtafel

Tags zuvor ein (leider tierloser) Ausflug in den Treptower Park. Auch hier zunächst herbe Enttäuschung, denn selbstverständlich sind Rasen und Bäume noch fast nicht vorhanden und sehen winterlich trist drein. Zwar lugen Krokusse allüberall aus torfigen Untergründen, aber - und da der besonders grobe Unterschied zu den reichen Parks im Süden, die die verwöhnte Huslige so kennt - kämpfen sich Krokusse und Gras ihren Weg hart durch Mengen verstreuten Abfalls. Trauriger Anblick, grade wenn die Sonne drauflacht. Drum nicht lange gefackelt und gleich auf zum Sowjetischen Ehrenmal (da zumindest ists aufgeräumt). Halb ästhetisch überwältigt-begeistert, halb angewidert von so viel totalitär-Kitsch an nur einer Stelle! Das Monument, das teils an ein überdimensioniertes Grab (100.000 m²!), auch ans Völkerschlachtendenkmal in Leipzsch und ähnlichen unbeholfenen deutschen Nationalschnikschnak, stark an die Dramaturgie christlicher Kirchen und logischerweise auch an NS-Architektur denken läßt - ist absolut sehenswert. Vorallem die Bildtafeln mit ihrer vollkommenen übertrieben völkischen, Comik-artigen Sprache, ihren Darstellungen von vollbusigen Bauersfrauen mit fetten Maschinengewehr im Arm hat eine absolut unfreiwillig naive Komik. Links und rechts vom Mittelteil der Gedenkstätte (nehme an das sich dort die Kriegsgräber befinden - 5000 Sowjetsoldaten wurden im Treptower Park beerdigt), führen diese Tafeln, die vom Krieg gegen Nazideutschland und den Sieg der Zivilisation in Form des Sozialismus erzählen, vorbei, ähnlich den Bildern oder Seitenkapellen in großen Kathedralen, die den Leidensweg Christi auf dem Weg zum Altar als Cartoon darstellen... Und tatsächlich besitzt auch das Sowjetische Ehrenmal eine Sakristei. Unter einem irrwitzig riesigen Arbeitersoldaten, der - ein Kind auf dem Arm - ein Hakenkreuz unterm Stifel zermalmt, befindet sich eine Kapelle mit Mosaiken und goldener Schrift in deutsch und russisch in der Kuppel. Wow.

HURRA! HURRA! HURRA!

Essen, Trinken, glücklich sein. Eine kulinarische Bloglesung!!! Das ist aber eine schöne Idee.

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1. April 2006
19.30 Uhr
Café Babel, Käthe-Niederkirchner Str. 2, 10407 Berlin
mit Bov Bjerg, Cassandra, Don Alphonso, Frau Engl, Mequito, Don Dahlmann, Parka Lewis, Herr Paulsen, Frau Wortschnittchen und Madame Modeste.

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