Berlin

Rosige Ostern

Vorgestern mit der kleinen (naja...) Schwester im Rosis gewesen und eine richtig gute Party gehabt. Trotz Billigst-Hain, dass der Husligen sonst nicht unbedingt taugt und gruslig-dunklem Weg bis zum Rosi-Gelände. Auf die Party sind wir über die Ankündigung im Tontransfer gestoßen, wo man immer wieder einen Glücksgriff tun kann.
Eine nette Mischung bot das Rosis, bezogen auf alles: die DJs erfreuten mit guter Mixkunst, der Gin Tonic war lecker und das Publikum sowohl Alters-, als auch homo/hetero-mäßig fein durchwachsen. Zwei Räume mit unterschiedlicher Musik, Charme des Abruchgeländes, Garten mit Sand usw. usf.
Und die B-Girls, die mit österlichen Girls Breaks erfreuten, waren richtig süß.

Tags drauf, leicht verkatert aber glücklich, überkommt Huslige eine mütterliche Sonntags- und Kuchenbackstimmung, und österlich hingerissene Erinnerung an den Osterhastenkuchen der böhmischen Oma - nicht zuletzt, weil delicious days zuletzt eine wunderschöne Biskuitrolle gebacken hat, die solcherlei Romantik förmlich erzwingt.

Der Osterhasenkuchen meiner Oma
Man braucht 1 Biskuit für eine Torte, den macht man z.B. so:
4 Eiweiß, 4 Eigelb, 100 g Zucker, 80 g Mehl, 80 g Stärkemehl: Eiweiß steif schlagen, dann den Zucker zugeben und so lange schlagen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Die Eigelbe unterziehen, dann das mit Stärke vermischte Mehl darüber sieben und ebenfalls mit dem Schneebesen unterheben. In die Backform streichen und bei 200°C ca. 20-25 min. backen.

Außerdem: 1 kleines Glas gutes säuerliches Johannisbeergelee, 1 Becher Sahne, Saft von 1 Zitrone und einer Orange, 2 Esslöffel starker Rum. Zuckerguss aus Puderzucker und Zitronensaft. Kokosflocken.

Wenn der Biskuit gebacken und ausgekühlt ist, teilt man ihn vorsichtig in drei Platten oder hölt ihn in der Mitte aus (je nachdem wie hoch er aufgegangen ist) - die mittlere Platte (das Herausgehölte...) vearbeitet man zu kleinen Bröckchen, tränkt diese mit Orangensaft, Zitronensaft und Rum und mischt sie mit der steif geschlagenen Sahne und einigen Löffeln Johannisbeergelee zu einer marmorierten Masse und füllt den Kuchen damit. Wenn der Kuchen zusammengebaut ist, werden sein Deckel und Rand erst dünn mit Johannisbeergelee und dann mit Zuckerguss bestrichen; solange der Guß noch feucht ist marmoriert man diese beiden Schichten mit einem Löffel, das sieht sehr hübsch aus.
Der Rand des Kuchens wird dann noch mit Kokosflocken verziert.

anonym sister

Am besten schmeckt das Ding, wenn es anschließend eine Nacht kühl gestellt wird.
hmmm .... ach Kindheit... Zuckerschocks..., Babyspeck... Seufz...
Ich geh jetzt Kuchen backen. Für meine kleine Schwester.

perfect days, little sister! - Two Fish, Fastenbier und geschabte Kässpatzen zum Karfreitag...

Die letzten Tage durfte Huslige entspannte Stunden mit ihrer kleinen Schwester verbringen. Dies beinhaltete unter anderem einen Besuch der Inszenierung "IRRE" von Two Fish am HAU 3, - eine sehenswerte Vorstellung, die allerdings an "Kann man können wollen" - dem letzten Stück der Combo - nicht heranreicht; einen mediterranen Einkauf am Maybachufer, danach eine Pizza mit Meeresfrüchten, (selbstgemacht.... hmmm) und einen nächtlichen Absacker in der Möbel Olfe - Ein Klassiker, von dem man eben doch nie zu viel bekommen kann, obgleich das Zywiec-Bier (zumindest bei mir) - am nächsten Tag regelmäßig mörderische Kopfschmerzen verursacht.
Heute Abend gehts ins HAU 1, da sehen wir Geometronomics von Storm und Discipulos do Ritmo. Hierzu: Tanzinteressierte aufgepasst, vom 21. - 23. 4 findet im Haus der Kulturen der Welt der Tanzkongress statt, in dessen Rahmen die Theater der Stadt die Crème der internationalen Tanzszene eingeladen haben; Expertengespräche und massig Vorträge, Lectures und Workshops kann man tagsüber sehen / hören / besuchen; dazu muss man nur eine Tageskarte für den Kongress erwerben, die kostet 10 Euro.

Und weil perfekte Tage (und auch nur beobachtete körperliche Aktivität) Hunger machen, zudem aus wildem Blogger-Konkurrenz-Gehabe, schreibe ich euch hier das Rezept für Käääs-Spätzle auf, wie wir sie vorgestern genossen haben, da Schwesterlein genauso ein bayerischer Schwab ist wie die Huslige selbst. (folgendes Rezept ist berechnet für 4 Hungrige)
1 Pfund Weizenmehl mit
1 Teelöffel Salz, etw. Pfeffer und Muskat vermischen
7 Eier hineinhauen,
etwa 3 Esslöffel lauwarmes Wasser dazu
und mit einem Schneebesen und viel Ausdauer so lange (agressiv) verrühren bis der Teig eine zäh-leimige Konsistenz aufweißt und Blasen wirft. Die Mischung mindestens 20 Min. in Ruhe lassen;
Inzwischen einen großen Haufen Bergkäse (z.B. Appenzeller, Emmentaler, Greyzer gemischt) reiben (grob gerieben genügt); falls gewünscht einen Salat herrichten...

2 große Gemüsezwiebeln in feine Ringe schneiden.
In ordentlich Butter auf den Herd stellen, ganz wenig Puderzucker drauf streuen und ganz langsam braun schmoren lassen; am Schluß (dauert lange) leicht salzen.
Einen großen Topf Salzwasser zum Kochen bringen und auf Mittelhitze schalten so dass das Wasser immer am Sieden bleibt. Ofen auf 200 Grad vorheizen, eine riesige (oder zwei normale) feuerfeste Form(en) bereitstellen.
Jetzt braucht man ein nasses Holzbrett und ein Messer; auf das Brett gibt man einen großen Löffel Spätzle-Teig, legt es auf dem Topfrand ab, streicht den Teig mit dem Messer glatt und schiebt dann mit Hilfe des Messerrückens kleine Teigwürmer ins siedende Wasser; (die Konsistenz des Teigs ist richtig, wenn er zuerst am Messerrücken kleben bleibt und dann als langezogener Tropfen ins Wasser fällt). Sobald ein Löffel Teig fertig geschabt ist, holt man die an der Oberfläche schwimmenden Spätzle mit einem Schaumlöffel aus dem Topf und lagert sie in der feuerfesten Form, hin und wieder in Gesellschaft eines Stückchen Butter...
Ist der gesamte Teig in Spätzle verwandelt, vermischt man selbige in der Form mit dem geriebenen Käse und läßt sie etwa 20 Minuten im heißen Ofen emulgieren... (Inzwischen kann man den Wein - gern ein Gewürztraminer, ein Riesling oder sowas - dekantieren und den Salat anmachen)
Die Spätzle werden schließlich in tiefen Tellern gekrönt von braunen Zwiebeln serviert.
Wohl bekomms.

La Crapule

Meine liebe Arbeitskollegin S und ich haben für eine anstrendgende Fleißaufgabe ein wenig Geld extra bekommen, und bevor wir es albern aufzuteilen begonnen hätten, sollte es lieber auf den Kopf gehauen werden. Daher (man gönnt sich ja sonst nix):
Lacrapule.jpg

(Bild lizenziert unter Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.5
Lizenz: Creative Commons-by-sa)

Amuse Geule: Filetstreifen mit Gemüse in Balsamico, Weißbrot, Knoblauchcreme
Vorspeise: gratinierter Ziegenkäse auf Salatbett
Hauptgang für mich: Escalope vom Lamm auf Sherrysauce, Gemüse, Kartoffeln
Hauptgang für meine Freundin: Seewolf in Mandelbutter mit Gemüse
Nachspeise: Creme Brulée (am Tisch mit einem heißen Eisen unter viel Rauchentwicklung frisch verbrutzelt)
dazu Corbiere für mich, Cote du Rhone für sie. Und eine Flasche Sprudel
Mehr braucht man dazu ja wohl nicht mehr sagen. Ach doch. 53 Euro all ink für beide.

Geld weg, Bauch voll, Seele baumelt.
La Crapule
Skalitzerstr. 68
U. Schlesisches Tor
Tel: 030/69565010
Öffnungszeiten: Mo-Fr ab 12 Uhr, Sa-So ab 18 Uhr

Oliven und selbstständiger Camembert - später auf einen Kaffee mit Sick Boy

Laue Luft und frohe Laune führten Huslige heute ans Maybachufer zum Wochenmarkt (bitte unter diesem Link die Mp3 beachten), da kann man Glück kaufen (oder einfach bloß erlaufen). Schon am dritten Stand bleibt Huslige in plötzlicher Konsumgier stehen und ordert 150 g Oliven in Kräutern. Noch während der nette Verkäufer die Ware - wegen des Öls - sorgfältig in 2 Tüten schlägt, schämt sich Husilge, wohl wissend, dass aller Sorgfalt zum Trotz sofort drüber hergefallen werden muss... Weiter auf ins Gedränge und dabei mit frühlingshaft kirschfarben lackierten Fingernägeln in die Tüte gegriffen, dann gar reingerüsselt, bis Nägel, Finger und huslige Schnute mit Öl und mediterranen Kräutern verziert sind.

Markt

Nach dem Fressanfall im Gedränge (3 Anstandsoliven bleiben übrig) werden verstohlen die Finger beleckt und an der Jeans abgewischt und weiter gehts an jeder Menge Augen, Ohren und Nasen-Schmaus vorbei. Hmmm... Tintenfische auf Eis wechseln sich mit Orangenbergen ("Orangen 3 Kilo für 2!"), Gewürzen, synthetischen Tüchern, Plastikspielzeug, Süßigkeiten und Brotbergen ab. Herrlich ist das. Zum kläglichen Olivenrest wandern in der nächsten Stunde eine immense Tüte Eisenkraut (= Verbena. - ein super Tee, "reiner Wohlfühltee" wie mir eine Verkäuferin mal versicherte), mehr eingelegte Oliven (diesmal unangetastet), gefüllte Peperonie, ein Ziegencamembert (so weich dass er sich schier verselbstständigt) und ein wirklich übertrieben großes Paket einer mir bis dato unbekannten türkischen Süßigkeit aus getrockneten Aprikosen, Pistazien, Kokosflocken und Feigen.
Glücklich und fast pleite dann auf einen Absacker-Kaffee in die Ankerklause, einen Tisch am Fenster Richtung Kanal erwischt und, mit einem Ohr dem wild berlinernden Gewäsch der Bardamen gelauscht, mit einer Hirnhälfte die inzwischen neongelb erscheinenden Trauerweiden am Landwehrkanal betrachtet, deren Zweiglein Miniaturblätter treiben, mit der anderen das Interieur des Cafes bewundert, das zwischen Hafen-Kitsch, berliner Bierseligkeit und Punkrock-Klitsche changiert - einen Milchkaffee getrunken. Und weils so schön war, und Huslige grad im Frühjahr recht anglophil ist, musste noch ein Cheddar-Toast mit Jalapenoschoten und Tomaten hinterher. - Satt und selig liebe Freunde -
PornoAnker

Unterdessen liest Huslige übrigens (anglophil...) fleißig in Irvine Welshs "Porno" - dem Nachfolgeroman zu Trainspotting - Leith 10 Jahre danach. Passt in die Ankerklause (Vgl. hier: Ankerklause Foto und da: Trainspotting Foto) und ist auch sonst zu empfehlen. Trotz - oder grade wegen seines Fortsetzungcharakters. Denn zugegeben, Mark Renton, Sick Boy, Spud und Begbie wollte man doch irgendwie einfach noch mal erleben, oder?

Clownsenten und sozialistische Überbleibsel

Zwei größere Spaziergänge machte Huslige dieses Wochenende. Einmal rund um den Schlachtensee, bei dessen Namen ich selbstverständlich immer (wenn auch mit gerunzelter Stirn) an eine Schlachtplatte - also was fleischig üppiges und auch irgendwie Rotes dachte. Inzwischen habe ich erfahren dass das "Schlachten" im See nichts mit Gemetzel sondern vielmehr mit einer mir unbekannten slawischen Sprache zu tun hat. (vgl. Wikipedia zum Schlachtensee). Tatsächlich ist der Schlachtensee im Moment ein Ausbund an Dezenz in Farbe und Bewuchs. Kahl, braun, beige, stahlblau. Beruhigend wäre das fürs Gemüt, würde nicht auf der einen Seite die Autobahn, auf der anderen Seite die S-Bahn sausen und ringsum halb Berlin spazieren. Ein wirklicher Lichtblick und Farbkleks waren hingegen entzückende Wasservöglein in clownesk buntem Gefieder, wie eine Mischung aus Ente und Papagei anmutend. Und ganz versöhnt haben mich der beginnende Regen, der die Ausflügler wieder in die S-Bahn zurücktrieb und der Erpel, der mit vorgerecktem Kopf und entschlossenem Gesichtsausdruck (ja das geht) unter leise splitterndem Geräusch einen letzten Rest dünner Eisschicht auf dem See durchbrach.

Mandarin Entesowjetisches Ehrenmal, Bildtafel

Tags zuvor ein (leider tierloser) Ausflug in den Treptower Park. Auch hier zunächst herbe Enttäuschung, denn selbstverständlich sind Rasen und Bäume noch fast nicht vorhanden und sehen winterlich trist drein. Zwar lugen Krokusse allüberall aus torfigen Untergründen, aber - und da der besonders grobe Unterschied zu den reichen Parks im Süden, die die verwöhnte Huslige so kennt - kämpfen sich Krokusse und Gras ihren Weg hart durch Mengen verstreuten Abfalls. Trauriger Anblick, grade wenn die Sonne drauflacht. Drum nicht lange gefackelt und gleich auf zum Sowjetischen Ehrenmal (da zumindest ists aufgeräumt). Halb ästhetisch überwältigt-begeistert, halb angewidert von so viel totalitär-Kitsch an nur einer Stelle! Das Monument, das teils an ein überdimensioniertes Grab (100.000 m²!), auch ans Völkerschlachtendenkmal in Leipzsch und ähnlichen unbeholfenen deutschen Nationalschnikschnak, stark an die Dramaturgie christlicher Kirchen und logischerweise auch an NS-Architektur denken läßt - ist absolut sehenswert. Vorallem die Bildtafeln mit ihrer vollkommenen übertrieben völkischen, Comik-artigen Sprache, ihren Darstellungen von vollbusigen Bauersfrauen mit fetten Maschinengewehr im Arm hat eine absolut unfreiwillig naive Komik. Links und rechts vom Mittelteil der Gedenkstätte (nehme an das sich dort die Kriegsgräber befinden - 5000 Sowjetsoldaten wurden im Treptower Park beerdigt), führen diese Tafeln, die vom Krieg gegen Nazideutschland und den Sieg der Zivilisation in Form des Sozialismus erzählen, vorbei, ähnlich den Bildern oder Seitenkapellen in großen Kathedralen, die den Leidensweg Christi auf dem Weg zum Altar als Cartoon darstellen... Und tatsächlich besitzt auch das Sowjetische Ehrenmal eine Sakristei. Unter einem irrwitzig riesigen Arbeitersoldaten, der - ein Kind auf dem Arm - ein Hakenkreuz unterm Stifel zermalmt, befindet sich eine Kapelle mit Mosaiken und goldener Schrift in deutsch und russisch in der Kuppel. Wow.

midnight canteen - in die Sommerzeit gefeiert

In Berlin wütet die Biennale. Die Zitty titelt mit Kunst ist Pop (?) Und husliger Tipp für den partyfreudigen Kunstfreund: Besucht die midnight canteen von Heman Chong und Max Schumacher! Da wird am Sa, 25.03.2006 24.00 Uhr in der Kantine des Rathaus Kreuzberg, wo sonst dröger Bürokraten-Mampf zu finden ist, ein utopisches Mitternachtsmahl mit leckeren Gerichten, Getränken und einem umwerfenden Panoramablick geboten. Die Klänge zur Zwischennutzung machen Pure, das Art Critics Orchestra (ACO) und DJ Andre Herzig.

Midnight.JPGSa. 25.03.2006 auf So. 26.03.2006,
24.00 - 06.00 Uhr
Rathaus Kreuzberg, Yorkstr. 4-11, 10965 Berlin

Karten gibts an der Abendkasse oder beim Hebbel am Ufer

HURRA! HURRA! HURRA!

Essen, Trinken, glücklich sein. Eine kulinarische Bloglesung!!! Das ist aber eine schöne Idee.

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1. April 2006
19.30 Uhr
Café Babel, Käthe-Niederkirchner Str. 2, 10407 Berlin
mit Bov Bjerg, Cassandra, Don Alphonso, Frau Engl, Mequito, Don Dahlmann, Parka Lewis, Herr Paulsen, Frau Wortschnittchen und Madame Modeste.

Huslige freut sich über Intelligenz statt Befindlichkeitskacke

... und das gleich zwei mal. Normalerweise kann man mich mit tiefschürfenden Befindlichkeits oder Weltverbesserungs-Stücken, Filmen, Büchern und so weiter jagen. Daher habe ich die beiden Veranstaltungen, die ich mir diese Woche zu gemüte geführt habe, grundsätzlich irgendwie mißgünstig und vourteilsschwanger betreten:

Komm Näher

- Berlinale Film von Vanessa Jopp (gesehen im fsk am Oranienplatz). Eigentlich zunächst aus puren Masochismus besucht: deutscher Berlin-Episoden-Film über Liebe und Einsamkeit leicht pessimistischer Färbung - du liebes Lieschen, schon wieder so eine Befindlichkeitskacke, denkt sich Huslige da zuvor, nö. Und dann stellt sich der Film als großartige - fast sogar schon erschreckend authentische - Alltagsstudie raus, die sich nichts desto weniger immer wieder absurd bricht. Besonders beeindruckend: die Brillianz und das gleichzeitige Understatement des Schauspiels. Wow. Huslige verneigt sich. Hier eine Kritik - Allerdings: Mathilda hört im Film kein Heavy Metal sondern bestenfalls Industrial. bitte.

Blackland

�?rpád Schilling / Krétakör Theater, Budapest (gesehen im HAU 2). Einfach auf gut Glück besucht wie ich das oft mache am HAU, völlig blank reingestolpert und nach einer gewissen Orientierungsphase sehr viel Postdramatik in altbekannter Fasson zu erkennen geglaubt; recht Marthaler-mäßig, nur viel plakativer und mit Ungarn-Focus, dachte ich. Und die Themen, hach ja, das Klagelied einer Gesellschaft mit rabenschwarzer Seele, immerhin viel Witz und Burleske dabei ... SMS, aggressiv piepend, eingeblendet über einen Monitor lieferten Schlagzeilen, die offensichtlich ungarische Nachrichten der letzten Zeit zusamenfassten, bunt zusammengewürfelt aus Wirtschaft, Politik und Vermischtem. Schauspieler, Sänger Musiker - großes Können, wilder Humor - präsentieren und illustrieren dazu Szenen. Die Nachrichten und ihre Umsetzung kulminieren immer weiter im Grauen. Bis plötzlich der strikt eingehaltene Themenkreis zu Ungarn, die Befindlichkeit einer Region in der Zeit des EU-Beitritts, mit 2 Szenen global bekanntgewordener Bildsprache gesprengt wird: Folterszenen aus Abu Ghraib, dann die nur zu bekannte Konstellation eines terroristischen Videos (Krummschwert involviert) lassen Plattitüden befürchten. Diese Szene bricht aber ab, indem ein Darsteller vors Publikum tritt und leicht gelangweilt die Interpretation der eben gesehenen Inszenierung, inkl. des Bühnenbilds, herunterrattert. Damit ist der Abend zu Ende, man ist vor den Kopf gehaun und bemerkt:
Alle husligen Ärgenisse wurden am Schluss ausgehebelt; in der gehaspelten Selbst-Interpretation zeigte sich das Stück als reflektierte Reflexion; ein Stück über das Wahrnehmen von Wirklichkeiten, und nicht, wie es der Beginn vorschnell befürchten ließ, der großkotzige Versuch eines mahnenden Statements.

(Und nebenbei: der Fellatio, den die junge Klarinettistin zu Beginn an ihrem Instrument vorführte, war bei weitem das Erotischste was Huslige seit Jahren auf einer Bühne gesehen hat)

Milchmädchenfrühling

Schluss mit dem Geplärre nach Frühling, davon kommt er rein gar nicht. Man könnte ja so tun als wäre es schon so weit und sich dick eingemümmelt in die paar spärlichen Sonnenstrahlen die der Tag so von sich gibt setzen, einen Espresso in den behandschuhten Fingern und versuchen sich ganz doll einzureden, es wäre doch schon .. vielleicht...
ODER - und das scheint der Husligen viel angenehmer, man begibt sich auf Café-Tour und erkundet gemütliche Eckchen und guten Kaffee im Innern der Lokale und läßt das Wetter Wetter bleiben. So. Deshalb hier mein Kommentar auf mein derzeitiges Lieblingscafé:

Que viva Salon Schmück! Salon Schmück [Skalitzerstr. 80] macht frischgepressten Saft. Die Kellnerin, die ich meistens dort sehe, ist sehr attraktiv. Die Einrichtung alt, schmuck (schmück) - komplett vom Vorgänger Montecruz übernommen (das allerdings auch großartig war, schade schade...), der Kaffee ist lecker und zu essen gibt es auch. Ebenfalls sympatisch: Hier arbeitet meist nur ein einziger Mensch - in der Küche und am Tresen - insofern wirkt das alles sehr familär und improvisiert, so ganz das ausgelagerte Wohnzimmer wie man es immer wieder gerne aufsucht. Und die Krönung: Es wird ein himmlischer Espresso mit unten Milchmädchen und obendrauf Milchschaum serviert. ("Cortado Condensado")
Milchmädchenfrühling

Lustig übrigens mit dem Milchmädchen: Jahrzehntelang, wenn nicht schon fast ein Jahrhundert exisitiert dieses Produkt (=gezuckerte Kondensmilch aus Dose oder Tube), der Husligen fiel es erst so vor 2 Jahren auf und plötzlich scheint es - wiederentdeckt - zur Kultschleckerei zu avancieren. Zu recht meiner Meinung nach. Bitte probiert auch den "Cortado" - ebenfalls eine Milchmädchenespresso-Mischung am Heinrichplatz in dem unscheinbaren roten Cafe (Taqueria irgendwas) gegenüber Papa No.

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