huslige (=häusliche) Pflanzerlfreuden

In Berlin schneits ja noch nicht gar so arg wie in München; aber immer noch zuviel. Jeder (!) einzelne Bekannte der der Husligen heute begegnete machte ein wüstes Gesicht und beschwerte sich über den ewigen Schnee, als ob es huslige Verantwortung wäre, das Sauwetter. Drum macht man sichs heut am besten schön warm und häuslich in der Küche und führt sich ein paar Fleischpflanzerl mit Kartoffelbrei zu Gemüte, hier das verbrieft feine Huselrezept - mitgebracht aus Bayrisch Schwaben (dort heißt das übrigens Fleischküchle) - upgedated für den hausnahen Einkauf in Kreuzberg:

300-600 g (je nach Hunger) gemischtes Hackfleisch (Lamm / Rind), 1 große Zwiebel, 1 große Zehe Knoblauch, viele getrocknete Kräuter, 1 Teelöffel Cumin, 1 Piripiri (scharfe getrockenete Peperoni), 1 Prise Zimt. Dann eigentlich: eine alte Semmel (in Berlin geht auch eine alte Schrippe oder 2-3 Scheiben trockenes Toastbrot), 1 Ei, vielleicht etwas Semmelbrösel (Berlin: Paniermehl) Öl zum Braten; Fünf große mehlig kochende Kartoffel, etw. Milch, geriebene Muskatnuss, Salz und Pfeffer; etw. Butter.

Kartoffeln in Salzwasser aufsetzen. Altes Brot in lauwarmen Wasser einweichen. Zwiebel und Knoblauch fein hacken und zusammen mit den Kräutern und dem Cumin und der zerdrückten Piripiri in Öl andünsten; mit dem Hackfleisch in eine große Schüssel geben; salzen und pfeffern. Das Brot gut ausdrücken, zum Fleisch geben, dann noch das Ei hinein; 1 Prise Zimt dazu. All das zu einem Pflanzerl-Teig verkneten (Achtung: Baz); wenn der Teig zu sehr an den Fingern klebt und nicht geschmeidig werden will evtl. ein wenig Semmelbrösel dazutun. Eine Weile stehen lassen! - Unterdessen die Kartoffeln (sofern fertig) aus dem Wasser holen, kalt abbrausen und schälen - Ofen leicht anheizen, Teller mit Küchenkrepp drin warmstellen.
Ordentlich Fett (huslig: Pflanzenöl mit ein bissl Butter vermischt. - Butterschmalz ginge auch) in einer großen Pfanne heiß werden lassen; mit feuchten Fingern Fleischpflanzerl (oder -Küchle) aus dem Pflanzerlteig formen - das heißt: etwa Golfball-große Kugeln ein bißchen flachdrücken). Nach und nach knusprig braun butzeln und im warmen Ofenrohr auf Küchenkrepp zwischenlagern.

Zwischendurch die Kartoffeln in einen großen Topf geben und zerdrücken (bestenfalls mit einem Stampfer, zur Not gehts auch mit einer abgewaschen Weinflasche), etw. Milch zugeben bis die gewünschte Konsitenz da ist; mit Muskat, Salz und Pfeffer abschmecken. Ganz am Ende ein Stück Butter im Brei zerlaufen lassen...

Kartoffelbreilama groß2kartoffelbreilama groß

Wenn die Pflanzerl fertig sind und der Brei ebenfalls, auf jeden Fall gleich loslegen mit essen, diese Sachen warten nicht gerne. Ein Bier passt hervorragend dazu. Ein leicht gekühlter Rotwein aber auch. All das macht satt müde und wohlig; in glückselige Kindertage versetzt formt man am Ende aus den Kartoffelbreiresten kleine Skulpturen.... Man muss sich ja was gönnen wenns am nächsten Tag wieder in den Schneematsch rausgeht. Wohl bekomms.

Kommentare

Huslige ich bin begeistert, das wird ja ein richtiges Kochblog! Und die Kartoffelbrei-Skulpturen, das ist ja richtige Kunst! Bitte unbedingt größere Fotos reinstellen, Saatchi hat schon angefragt!

danke ich hab schon genug Kunst