Clownsenten und sozialistische Überbleibsel

Zwei größere Spaziergänge machte Huslige dieses Wochenende. Einmal rund um den Schlachtensee, bei dessen Namen ich selbstverständlich immer (wenn auch mit gerunzelter Stirn) an eine Schlachtplatte - also was fleischig üppiges und auch irgendwie Rotes dachte. Inzwischen habe ich erfahren dass das "Schlachten" im See nichts mit Gemetzel sondern vielmehr mit einer mir unbekannten slawischen Sprache zu tun hat. (vgl. Wikipedia zum Schlachtensee). Tatsächlich ist der Schlachtensee im Moment ein Ausbund an Dezenz in Farbe und Bewuchs. Kahl, braun, beige, stahlblau. Beruhigend wäre das fürs Gemüt, würde nicht auf der einen Seite die Autobahn, auf der anderen Seite die S-Bahn sausen und ringsum halb Berlin spazieren. Ein wirklicher Lichtblick und Farbkleks waren hingegen entzückende Wasservöglein in clownesk buntem Gefieder, wie eine Mischung aus Ente und Papagei anmutend. Und ganz versöhnt haben mich der beginnende Regen, der die Ausflügler wieder in die S-Bahn zurücktrieb und der Erpel, der mit vorgerecktem Kopf und entschlossenem Gesichtsausdruck (ja das geht) unter leise splitterndem Geräusch einen letzten Rest dünner Eisschicht auf dem See durchbrach.

Mandarin Entesowjetisches Ehrenmal, Bildtafel

Tags zuvor ein (leider tierloser) Ausflug in den Treptower Park. Auch hier zunächst herbe Enttäuschung, denn selbstverständlich sind Rasen und Bäume noch fast nicht vorhanden und sehen winterlich trist drein. Zwar lugen Krokusse allüberall aus torfigen Untergründen, aber - und da der besonders grobe Unterschied zu den reichen Parks im Süden, die die verwöhnte Huslige so kennt - kämpfen sich Krokusse und Gras ihren Weg hart durch Mengen verstreuten Abfalls. Trauriger Anblick, grade wenn die Sonne drauflacht. Drum nicht lange gefackelt und gleich auf zum Sowjetischen Ehrenmal (da zumindest ists aufgeräumt). Halb ästhetisch überwältigt-begeistert, halb angewidert von so viel totalitär-Kitsch an nur einer Stelle! Das Monument, das teils an ein überdimensioniertes Grab (100.000 m²!), auch ans Völkerschlachtendenkmal in Leipzsch und ähnlichen unbeholfenen deutschen Nationalschnikschnak, stark an die Dramaturgie christlicher Kirchen und logischerweise auch an NS-Architektur denken läßt - ist absolut sehenswert. Vorallem die Bildtafeln mit ihrer vollkommenen übertrieben völkischen, Comik-artigen Sprache, ihren Darstellungen von vollbusigen Bauersfrauen mit fetten Maschinengewehr im Arm hat eine absolut unfreiwillig naive Komik. Links und rechts vom Mittelteil der Gedenkstätte (nehme an das sich dort die Kriegsgräber befinden - 5000 Sowjetsoldaten wurden im Treptower Park beerdigt), führen diese Tafeln, die vom Krieg gegen Nazideutschland und den Sieg der Zivilisation in Form des Sozialismus erzählen, vorbei, ähnlich den Bildern oder Seitenkapellen in großen Kathedralen, die den Leidensweg Christi auf dem Weg zum Altar als Cartoon darstellen... Und tatsächlich besitzt auch das Sowjetische Ehrenmal eine Sakristei. Unter einem irrwitzig riesigen Arbeitersoldaten, der - ein Kind auf dem Arm - ein Hakenkreuz unterm Stifel zermalmt, befindet sich eine Kapelle mit Mosaiken und goldener Schrift in deutsch und russisch in der Kuppel. Wow.

Kommentare

tierloser treptower park? wer wie ich dort schon von einem dobermann mit entschlossenem gesichtsausdruck auf dem fahrrad verfolgt wurde, verzichtet auch mal gerne auf tierische gesellschaft.

stimmt, die Hundsviecher... die sind natürlich viel zu zahlreich; ich glaub dass ich die unbewusst unter "störende Menschen" verbuche.

also Eisvögel trinken meines Wissens Krombacher - bevor sie fernschauen