HURRA! HURRA! HURRA!

Essen, Trinken, glücklich sein. Eine kulinarische Bloglesung!!! Das ist aber eine schöne Idee.

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1. April 2006
19.30 Uhr
Café Babel, Käthe-Niederkirchner Str. 2, 10407 Berlin
mit Bov Bjerg, Cassandra, Don Alphonso, Frau Engl, Mequito, Don Dahlmann, Parka Lewis, Herr Paulsen, Frau Wortschnittchen und Madame Modeste.

Huslige freut sich über Intelligenz statt Befindlichkeitskacke

... und das gleich zwei mal. Normalerweise kann man mich mit tiefschürfenden Befindlichkeits oder Weltverbesserungs-Stücken, Filmen, Büchern und so weiter jagen. Daher habe ich die beiden Veranstaltungen, die ich mir diese Woche zu gemüte geführt habe, grundsätzlich irgendwie mißgünstig und vourteilsschwanger betreten:

Komm Näher

- Berlinale Film von Vanessa Jopp (gesehen im fsk am Oranienplatz). Eigentlich zunächst aus puren Masochismus besucht: deutscher Berlin-Episoden-Film über Liebe und Einsamkeit leicht pessimistischer Färbung - du liebes Lieschen, schon wieder so eine Befindlichkeitskacke, denkt sich Huslige da zuvor, nö. Und dann stellt sich der Film als großartige - fast sogar schon erschreckend authentische - Alltagsstudie raus, die sich nichts desto weniger immer wieder absurd bricht. Besonders beeindruckend: die Brillianz und das gleichzeitige Understatement des Schauspiels. Wow. Huslige verneigt sich. Hier eine Kritik - Allerdings: Mathilda hört im Film kein Heavy Metal sondern bestenfalls Industrial. bitte.

Blackland

�?rpád Schilling / Krétakör Theater, Budapest (gesehen im HAU 2). Einfach auf gut Glück besucht wie ich das oft mache am HAU, völlig blank reingestolpert und nach einer gewissen Orientierungsphase sehr viel Postdramatik in altbekannter Fasson zu erkennen geglaubt; recht Marthaler-mäßig, nur viel plakativer und mit Ungarn-Focus, dachte ich. Und die Themen, hach ja, das Klagelied einer Gesellschaft mit rabenschwarzer Seele, immerhin viel Witz und Burleske dabei ... SMS, aggressiv piepend, eingeblendet über einen Monitor lieferten Schlagzeilen, die offensichtlich ungarische Nachrichten der letzten Zeit zusamenfassten, bunt zusammengewürfelt aus Wirtschaft, Politik und Vermischtem. Schauspieler, Sänger Musiker - großes Können, wilder Humor - präsentieren und illustrieren dazu Szenen. Die Nachrichten und ihre Umsetzung kulminieren immer weiter im Grauen. Bis plötzlich der strikt eingehaltene Themenkreis zu Ungarn, die Befindlichkeit einer Region in der Zeit des EU-Beitritts, mit 2 Szenen global bekanntgewordener Bildsprache gesprengt wird: Folterszenen aus Abu Ghraib, dann die nur zu bekannte Konstellation eines terroristischen Videos (Krummschwert involviert) lassen Plattitüden befürchten. Diese Szene bricht aber ab, indem ein Darsteller vors Publikum tritt und leicht gelangweilt die Interpretation der eben gesehenen Inszenierung, inkl. des Bühnenbilds, herunterrattert. Damit ist der Abend zu Ende, man ist vor den Kopf gehaun und bemerkt:
Alle husligen Ärgenisse wurden am Schluss ausgehebelt; in der gehaspelten Selbst-Interpretation zeigte sich das Stück als reflektierte Reflexion; ein Stück über das Wahrnehmen von Wirklichkeiten, und nicht, wie es der Beginn vorschnell befürchten ließ, der großkotzige Versuch eines mahnenden Statements.

(Und nebenbei: der Fellatio, den die junge Klarinettistin zu Beginn an ihrem Instrument vorführte, war bei weitem das Erotischste was Huslige seit Jahren auf einer Bühne gesehen hat)

Milchmädchenfrühling

Schluss mit dem Geplärre nach Frühling, davon kommt er rein gar nicht. Man könnte ja so tun als wäre es schon so weit und sich dick eingemümmelt in die paar spärlichen Sonnenstrahlen die der Tag so von sich gibt setzen, einen Espresso in den behandschuhten Fingern und versuchen sich ganz doll einzureden, es wäre doch schon .. vielleicht...
ODER - und das scheint der Husligen viel angenehmer, man begibt sich auf Café-Tour und erkundet gemütliche Eckchen und guten Kaffee im Innern der Lokale und läßt das Wetter Wetter bleiben. So. Deshalb hier mein Kommentar auf mein derzeitiges Lieblingscafé:

Que viva Salon Schmück! Salon Schmück [Skalitzerstr. 80] macht frischgepressten Saft. Die Kellnerin, die ich meistens dort sehe, ist sehr attraktiv. Die Einrichtung alt, schmuck (schmück) - komplett vom Vorgänger Montecruz übernommen (das allerdings auch großartig war, schade schade...), der Kaffee ist lecker und zu essen gibt es auch. Ebenfalls sympatisch: Hier arbeitet meist nur ein einziger Mensch - in der Küche und am Tresen - insofern wirkt das alles sehr familär und improvisiert, so ganz das ausgelagerte Wohnzimmer wie man es immer wieder gerne aufsucht. Und die Krönung: Es wird ein himmlischer Espresso mit unten Milchmädchen und obendrauf Milchschaum serviert. ("Cortado Condensado")
Milchmädchenfrühling

Lustig übrigens mit dem Milchmädchen: Jahrzehntelang, wenn nicht schon fast ein Jahrhundert exisitiert dieses Produkt (=gezuckerte Kondensmilch aus Dose oder Tube), der Husligen fiel es erst so vor 2 Jahren auf und plötzlich scheint es - wiederentdeckt - zur Kultschleckerei zu avancieren. Zu recht meiner Meinung nach. Bitte probiert auch den "Cortado" - ebenfalls eine Milchmädchenespresso-Mischung am Heinrichplatz in dem unscheinbaren roten Cafe (Taqueria irgendwas) gegenüber Papa No.

Huslige philosophiert Chemisches

Chemie hat der Husligen immer viel Spass gemacht, vielleicht weil es so ans Kochen erinnert. Besoners reizvoll fand sie dabei immer die Edelgase (hier ganz rechts). Helium (nach griechisch "Sonne") wird weiß. Neon - "das Neue" - leuchtet nach Stromzugabe rot-orange; Argon, das "träge" Element, lässt sich aus flüssiger Luft destillieren und wird Blau-Violett. Krypton, "das Versteckte", glimmt grünlich; eins seiner Isotope wurde früher zu Bestimmung des Meters verwendet. Xenon, "das Fremde", kann violett strahlen, wird aber auch als besonders starkes Leuchtmittel für helles weißes Licht eingesetzt. Lustigerweise kann man Helium einatmen und dann wie Micky Maus reden; mit Xenon gehts umgekehrt, da kriegt man eine Baßstimme; ist aber nicht wirklich gesund...
120px-HeTube.jpg120px-NeTube.jpg120px-ArTube.jpg120px-KrTube.jpg120px-XeTube.jpg Schön sind sie jedenfalls, diese Edelgase und putzige Namen haben sie auch. Existieren bloß so vor sich hin. Machen nichts. Reagieren nicht. Bloß unter energetischer Fremd-Zugabe leuchten sie, selber völlig unangestrengt, in den nettesten Farben. Ist das nicht bewundernswert?

Huslige wird sich für den Rest der ekelhaft schneeigen Tage bemühen, selber recht edelgasig zu werden (naja. wenn's sein muss auch recht edel garstig).

...Produziert weniger edle Gase, ist aber winterlich ebenfalls gut geeignet (und man braucht keinerlei chemisches Diplom dafür)

Schwarze Suppe mit Rotwein:

Man brät in Olivenöl 1 Zwiebel etwas Knoblauch und viele getrocknete Kräuter an und gießt 2 Tassen heißes Wasser dazu, dann kommt 1 Tasse Beluga Linsen hinein. Während das ganze zu köcheln anfängt würfelt man Wurzelgemüse wie Sellerie und Gelbe Rüben klein und wirft sie mit dazu. (ein Löffel Kümmel mitgekocht hält übrigens die ärgsten Gase im Zaum). Wenn die Linsen so 10 min gekocht haben, bzw. die Flüssigkeit reduziert ist, kommt ordentlich Rotwein rein, eine in Würfel geschnittene Kartoffel, und Gewürze nach Geschmack; vielleicht noch was Scharfes hinterher (Peperoni-Paste o.ä.), bisschen Tomatenmark und noch eine gepresste Knoblachzehe, ganz wie beliebt. Wenn die Kartoffeln weich sind ists fertig. Bitte nicht mit dem Wein geizen und erst ganz zum Schluß salzen. Wohl bekomms.

Kreuzfahrt in Kreuzberg*

(*klingt natürlich gut; und Huslige kreuzt auch durch Kreuzberg um zu ihrer Kurz-Kreuzfahrt auf dem Badeschiff zu gelangen; aber wenn mans ganz genau nimmt liegt das Badeschiff in Treptow vor Anker; und fahren tuts auch nicht.... hach ja.)

Man kann zum saunen ja stehen wie man will. Eine Weile lang ist es durchaus interssant, verschieden geartete Geschlechtsorgane zu begutachtem, meist bis zu dem Moment, wenn man bemerkt dass man selbst ebenfalls Objekt der Beobachtung ist. Aber einen Besuch auf dem Winter-Badeschiff der Arena sollte man sich mal gönnen. Farbenpracht! Panoramablick zum alten Osram (bzw. Narva-)gebäude! Wellnessfreuden! aufgeheizt Nacktbaden bei angnehm kühlenden 22° im Außenbecken! Feine Sache, kostet aber 12 Euro. Keine Ermäßigung, meistens recht voll... Aber dank grandioser Öffnungszeiten findet man sicherlich ruhige Zeitpunkte, so wie heute, huslige 21.00-24.00 Uhr am Dienstag. Gibts noch bis Mitte April.

Bemerkenwert übrigens, dass Leute, die man zuerst mehrere Stunden lang nass und nackend betrachtet hat - getaufte Mäuse wie Gott sie schuf -, mit Kleidung, Schminke und Frisur fast nicht mehr wiederzuerkennen sind. Huslige z.B. schaut angezogen aus wie eine Dame und nackt wie ein kleiner Bub. Oder wars umgekehrt??

huslige (=häusliche) Pflanzerlfreuden

In Berlin schneits ja noch nicht gar so arg wie in München; aber immer noch zuviel. Jeder (!) einzelne Bekannte der der Husligen heute begegnete machte ein wüstes Gesicht und beschwerte sich über den ewigen Schnee, als ob es huslige Verantwortung wäre, das Sauwetter. Drum macht man sichs heut am besten schön warm und häuslich in der Küche und führt sich ein paar Fleischpflanzerl mit Kartoffelbrei zu Gemüte, hier das verbrieft feine Huselrezept - mitgebracht aus Bayrisch Schwaben (dort heißt das übrigens Fleischküchle) - upgedated für den hausnahen Einkauf in Kreuzberg:

300-600 g (je nach Hunger) gemischtes Hackfleisch (Lamm / Rind), 1 große Zwiebel, 1 große Zehe Knoblauch, viele getrocknete Kräuter, 1 Teelöffel Cumin, 1 Piripiri (scharfe getrockenete Peperoni), 1 Prise Zimt. Dann eigentlich: eine alte Semmel (in Berlin geht auch eine alte Schrippe oder 2-3 Scheiben trockenes Toastbrot), 1 Ei, vielleicht etwas Semmelbrösel (Berlin: Paniermehl) Öl zum Braten; Fünf große mehlig kochende Kartoffel, etw. Milch, geriebene Muskatnuss, Salz und Pfeffer; etw. Butter.

Kartoffeln in Salzwasser aufsetzen. Altes Brot in lauwarmen Wasser einweichen. Zwiebel und Knoblauch fein hacken und zusammen mit den Kräutern und dem Cumin und der zerdrückten Piripiri in Öl andünsten; mit dem Hackfleisch in eine große Schüssel geben; salzen und pfeffern. Das Brot gut ausdrücken, zum Fleisch geben, dann noch das Ei hinein; 1 Prise Zimt dazu. All das zu einem Pflanzerl-Teig verkneten (Achtung: Baz); wenn der Teig zu sehr an den Fingern klebt und nicht geschmeidig werden will evtl. ein wenig Semmelbrösel dazutun. Eine Weile stehen lassen! - Unterdessen die Kartoffeln (sofern fertig) aus dem Wasser holen, kalt abbrausen und schälen - Ofen leicht anheizen, Teller mit Küchenkrepp drin warmstellen.
Ordentlich Fett (huslig: Pflanzenöl mit ein bissl Butter vermischt. - Butterschmalz ginge auch) in einer großen Pfanne heiß werden lassen; mit feuchten Fingern Fleischpflanzerl (oder -Küchle) aus dem Pflanzerlteig formen - das heißt: etwa Golfball-große Kugeln ein bißchen flachdrücken). Nach und nach knusprig braun butzeln und im warmen Ofenrohr auf Küchenkrepp zwischenlagern.

Zwischendurch die Kartoffeln in einen großen Topf geben und zerdrücken (bestenfalls mit einem Stampfer, zur Not gehts auch mit einer abgewaschen Weinflasche), etw. Milch zugeben bis die gewünschte Konsitenz da ist; mit Muskat, Salz und Pfeffer abschmecken. Ganz am Ende ein Stück Butter im Brei zerlaufen lassen...

Kartoffelbreilama groß2kartoffelbreilama groß

Wenn die Pflanzerl fertig sind und der Brei ebenfalls, auf jeden Fall gleich loslegen mit essen, diese Sachen warten nicht gerne. Ein Bier passt hervorragend dazu. Ein leicht gekühlter Rotwein aber auch. All das macht satt müde und wohlig; in glückselige Kindertage versetzt formt man am Ende aus den Kartoffelbreiresten kleine Skulpturen.... Man muss sich ja was gönnen wenns am nächsten Tag wieder in den Schneematsch rausgeht. Wohl bekomms.

Frittiertes, Feuchtfröhliches, Flauschiges

Gemütlich hat der gestrige Abend begonnen, fröhlich huslig mit viel fritiertem Essen. Gleich beim Schlesischen Tor hat ein sudanesischer Imbiss neu eröffnet, tatsächlich war gestern sogar erster Geschäftstag, ein strenger Chef scheuchte seine Kellner durch den Laden, serviert wurde nach geschenkten (fritierten) Hefebällchen und Tee ein ganze Menge Köstliches mit Erdnußsauce.

Später besuchten die Huslige eine Vernissage in der Wallstreet One Galerie, die schon nach kurzer Zeit ausartete..."und ich habs ihnen gsagt. extra gsagt hab ichs meinen Freunden: des is a Vernissaaasch, kei Party, also nix Sauffen und tanzen und so!" (eine Cheffin) Geholfen hat es aber nichts, es wurde getrunken, getanzt und gefeiert was das Zeug nur hielt; die Austellung - Home Sweet Home - selber beeindruckte mit gewagten Lebensmittelcollagen in der ein-aus-ein-aus Einbauküche, aber auch die Couching Ecke mit den vielen Sofas war sehr angenehm.

Überhaupt. die Galerie ist schön und die dort ansässigen Künstler betreiben eine ansehnliche Homepage namens Bilderklub, die man dringend besuchen sollte - jeden Tag gibts da ein neues Bild zu sehen.

Ein entkaternder Spaziergang durch den Görlitzer Park hat die erschöpfte Huslige dann heute wieder froh gemacht, v.a. weil sie rausgefunden hat, dass es dort hübsche freundliche Tiere zu betrachten gibt; unglaublich. Hundert Mal durch diesen Park gelaufen und dabei das leise "Mäh mäh", "Grunz grunz" und das allerliebste "Ia" der Bewohner des hinter ein paar Hecken versteckten Kinderbauernhofs schlicht überhört! Sehenswert, liebe Freunde! Und man kann sich tatsächlich in einen Esel verlieben, weil die Öhrchen so nett wakeln und das Bäuchlein so schön rund ist...

Huslige schwäbelt und kocht

Woche ists und Arbeit auch; und weil die huslige Arbeit sehr viel Menschen sehen, Menschen verstehen und Menschen ertragen bedeutet, bleibt Huslige heute abend zuhause. Und gestern auch. Von der letzten Party ist noch ein Weinschlauch über mit hervorragendem Corbier drin. Und so brät man sich ein blutend Tier in guter deutscher Butter, lehnt sich zurück, und schwelgt in den Absurditäten des vergangenen Tags. Auch heute sind der Husligen neue Küchenschwaben begegnet. Lustig das mit den vielen Schwaben in der Berliner Gastronomie; warum ist das so? Weil die Schwaben so gern futtern? So gut kochen können? Oder einfach einen Sinn fürs Geschäftliche (schaffe schaffe Häusle baue) mit Gemütlichkeit und Lebensart aus dem Ländle verbinden?
Gucket z.B. hier (die ersten 3 sind der Husligen persönlichst bekannt): Schwäbischer Küchenchef und Kunst; oder da: Schwaben-Buben, Theater und Nudelgerichte. Oder da: Spätzle und Kiez (bzw. Kaffe, Kuchen, UBahnblick - die Macher vom Cafe-KLassiker St Remo Upflamör bewirtschaften ja inzwischen ganz Kreuzberg).... usw. usw. usw.

Huslige selbst will sich ihr Wohlergehen ja durchaus erkämpfen und hat sich daher vorgestern abend ins Schwimmbad geschwungen - das am Spreewaldplatz, das von außen so tut als wäre es Karibik und sich von innen so anfühlt wie Warnemünde im April (brr). Zum Glück hat das Bad um 20.00 Uhr geschlossen und Huslige in konnte trauter WG Improvisation kochen . Dabei kam etwas dermaßen gutes raus, das der Artikel heut mit einem Rezept statt hochtrabender Stadtteil-Betrachtungen schließt: man nehme: 3 Tassen Mehl, 1/2 Würfel Hefe, 4 El Quark, 4 El Olivenöl, 1 Tl Salz - alles schön lauwarm - und mache draus einen Hefeteig. Der muss 30 min oder länger im warmen Ofenrohr warten, während man: 2 Eier, 1 Becher Creme fraiche, Salz, Pfeffer und Muskat zusammenquirlt und nebenher noch 1 Zwiebel, 2 Zehen Knoblauch und einen Bund Blattspinat zerkleinert in der Pfanne anbrät. All das - den Teig, die Eier-Creme-fraiche und den Spinat-Knoblauch Belag - baut man am Ende zu einer Quiche bzw. Pizza zusammen. Man backe das Ergebnis bei 180 ° auf Mittelschiene bis es fertig ist. Ein Kääääs, am Schluß zum überbacken drauf, schadet auch nichts. Dann darf der Corbiere fließen.

Montag Abend am Kiez.

Kennt ihr die Geschichte vom Herrn Zani? Wie er mal nachts an eine Kreuzung kam, an der ein altes Mütterchen stand, erbämlich zitternd und bibbernd. Und der Herr Zani geht hin und fragt: Gehts ihnen gut? kann man ihnen helfen? und das Mütterchen sagt: Nein nein es ist nichts. Ich bin nur so betruhuhuuunken.... Ich könnte ja heute wirklich einen Haufen Geschichten erzählen nach einem Kreuzberger Kneipenabend am Montag. Z.B. vom Jugoslawen, der 10 Jahre in Auxburg gewohnt hat und jetzt nach Chile will, um sich in Kneipen als Spanier auszugeben und Flamenco zu spielen... Oder von dem türkischen Opa der Ecke Wrangelstr. / Falckensteinstr. entlangwackelt, dabei furchterregend schwankt und mit den Armen rudert - und Huslige kann einfach nicht ausmachen, ob er weiß, dass sein Krückstock hinten an seinem Kragen hängt... Aber am meisten beeindruckt hat heute ein berliner Schicksal schlechthin. Es gab da diesen extrem netten Barkeeper, den ich kennenlernte als er mir vor etwa einem Jahr, während ich die erste aprilfrische Frühlingssonne genoss, einen vollkommen ungenießbaren Gin Tonic servierte. Und am nächsten Tag, als ich ihn auf "dieses Getränk" ansprach mit charmant erschrocken aufgerissenen Augen sagte: "Oh. äh. der Gin Tonic war Bäh, oder?" Eben dieser großäugige Bub begegnete mir kürzlich im Theater, als er mir irrtümlicherweise eine Bewerbung zu einem Schauspieler-Casting in die Hand drückte - er hatte die Huslige - wie andere vor ihm, wegen ihres ungünstigen Büroplatzes - für die Empfangsdame gehalten. Dumm gelaufen. Heute begegnet das schauspielernde Großauge also wieder der Frau Husligen. Er steht an der Theke in der Theaterkantine und ist außer sich. Schwer verstört und unglücklich. Wie sich herausstellt hat er ein Etablissement gemietet, und zwar von fiesen Küchenschwaben. Mir nichts dir nichts muss er seine eben aufgemachte Kneipe in 8 Tagen räumen. Frau Huslige ist mitleidig und verspricht, das dem Untergang geweihte Bierlokal (nur 2 Straßen vom husligen Wohnort entfernt) bald aufzusuchen, um an den Endexzessen teilzuhaben. Und als sich der montägliche Durst einstellt, wandert sie tatsächlich hin. Der ausschenkende Schauspieler freut sich sehr über den Besuch und in nullkommajosef ist Frau Huslige mit dem gesamten anwesenden Kiezbürgern vertraut. Komisch nur, wie sich ein Bub mit freundlicher Kellnermanier auf einmal in einen geschäftsmännischen Halbmafiosi mit fragwürdigen Allüren wandeln kann. Sehr fragwürdig, Huslige... Aber immerhin unterhält man sich über Dostojewski (Huslige: Dostojewski ist lustig. Schauspieler: Dostojewski ist wahr)

Man kann nun zwei Blickwinkel haben. Einmal, in der denkbar verstocktesten Lesart, wünscht man sich, nicht schon wieder einen Abend unter Kultur-Schafen, -Trollen und -Gschwärl zu verbringen. Dann fällt auf einmal die letzte Zitty Schlagzeile ein, die lautete: "Meine Armut kotzt mich an" (Aritkel zum Phänomen der No-Budget Lebensweise junger Berliner Kreativlinge). Und man sich umschaut. Und trotz Armut begegnen sich: der jugoslawische Augsburger Flamenco-Spieler, Chilene in spe; der Ex-Kameramann mit einem Faible für Bayern München und die schwedische Königsfamilie. Das Großauge. Die Huslige. Und am Ende auch noch der wackelnde Opa, die bibbernde Omi.

Lassen wir den Zynismus beiseite. Kiezkultur rulez. Und dem jungen Wirt wünsch ich einen Neustart ohne Küchenschwaben.

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