Jessas Maria da erschte Wurm!

Nur aus Freude am teilen, und weils die Huslige nach bissl über einem Jahr wieder entdeckt hat: Hörts mal rein in den Austrofred.
I Lieg Am Ruckn Mp3


Eich Dodln Gib I Gas Mp3

Wunderbar grade am ersten der beiden Lieder ist die ironisch im schiefen Austrofred-Gekreische gebrochene Tragik des zu Tränen rührenden Texts..., das am Ösi-Akzent schrubbernde Pathos der Queen-Melodie... Leicht wehmütig, passt das wunderbar in huslige Laune, a bissl Heimweh nach dem Süden ist im Moment schon vorhanden, grad wenn man sich die hübschen Fotos auf delicious days zum Flohmarkt auf der Theresienwiese anschaut... Aber dann singt der Austro Fred "Jessas Maria da erschte Wurm" und die Huslige lacht herzhaft, grämt sich nimmer und spaziert unter brav sprießenden Bäumen den Landwehrkanal entlang. Morgen gehts eh in den Süden, wenn auch nur für ein paar Tage; und mit Sicherheit wird die Münchner Sauberkeit wieder mal erschrecken nach Monaten Pause, die brummligen Bayern werden mir komisch scheinen und ich werde mich nach der ersten Hundekacke am Schuh sehnen....

Und weil mich sowohl der erschte Wurm an die Biergartensaison, als auch der neu eröffente Valentin an eine zünftige Schmankerlküche erinnert hat, drüber hinaus das leibliche Wohl dem Heimweh entgegenwirkt, hier ein supper Rezept für einen hausgemachten Obazten:

6 Portionen aufs Brot:
1 großer - qualitätvoller! - mittelreifer Camembert
(- und auch wenns noch so stinkt -) 1/2 Limburger
1/2 Paket weiche Butter
1 kleine Zwiebel
Paprikapulver, ganzer Kümmel, Pfeffer, Salz
3 EL Bier

Zwiebel ganz fein hacken; Käse in kleine Würfel schneiden - wenn er reif genug ist, bedeutet das eher: matschen. Butter mit dem Rührgerät rühren, bis sie geschmeidig ist; Käse dazugeben und gut vermischen, Zwiebelwürfelchen und Bier dazu; mit Paprikapulver, Pfeffer und Kümmel würzen. Kühl stellen und durchziehen lassen. Erst ganz zum Schluß salzen, - falls überhaupt nötig. Auf Schwarzbrot oder Brezn, mit Petersiliensträußen zu garnieren... Wohl bekomms.

Endlich zümpftig!

Liebe Exil-Bayern und Schwaben. Jetzt einmal ehrlich, da schwärmt man den armen Norddeutschen von jenseits des Weißwuschtäquators wiederholt von der großartigen Schmankerln- und Biergartenküche, den supper Brotzeiten und dem herrlichen Faßbier vor, was es im Süden überall, ständig und unerschöpflich geben soll... und tatsächlich.... wenn man sichs mal genau überlegt ist es doch jedes Jahr beim südlichen Sommerurlaub oder während des Familienbesuchs an den Feiertagen das gleiche Ärgernis, und eine herbe Enttäuschung. Man kann wie ein(e) Wilde(r) herumsuchen, meistens ist die Bedienung in den Wirtshäusern und Biergärten pampig, der Kartoffelsalat ebenso, ganz zu schweigen von den enttäuschenden aufgewärmten "Schmankerln" ... an den Krautsalat aus dem 10 Liter-Eimer mag ich gar nicht denken!

Laut geseufzt - und dann gefreut. Denn die Suche hat ein Ende. Mitten im guten alten Kreuzberg hat ein bayerisches Gasthaus seine Pforten geöffnet, das neben Augustiner Hell, Paulaner Pils und Weihnstephaner Dunkel vom Fass noch helles und dunkels Weißbier aus der Flasche und Augustiner Edelstoff verkauft - und daneben, zu allem Überfluss - täglich mit selbstgebackenem Kuchen und hausgemachten bayerischen Schmankerln aufwartet, die diesen Namen auch wirklich verdient haben. Für die Ohren gibts dann noch Haindling und Biermösl Blosn. Drum auf zum würzigen Leberkäs ins niedliche - und ganz und gar nicht weiß-blaue -

Cafe Valentin in der Körtestr. 21, Nähe U Südstern.

Zum Namenspatronen des Cafe Valentin findet man übrigens hier und hier interessantes. Und dieser Link darf für all diejenigen interessant sein, die sich für bajuvarische Subkultur interessieren.

Und die Zitronen blühn...

Weil Huslige jetzt wieder offiziell Italien mögen kann, hier mein liebstes Lasagne Rezept:

350 g gemischtes Hackfleisch (Lamm, Rind, Kalb... kein Schweindl) mit 1er gehackten Zwiebel und 2 Zehen gehacktem Knoblauch, sowie 1 gewürfelten Karotte und etw. gewürfelten Knollensellerie andünsten. Mit Kräutern, Chilli, klein wenig Zimt, etwas Cumin und Salz und Pfeffer würzen, etw. weiterschmoren, mit ein wenig Rotwein und einer Dose Tomaten in Stückchen ablöschen und mind. 1/2 Stunde köcheln lassen.
Unterdessen viel Käse reiben (Greyzer.... Appenzeller u.ä. Bergkäse schmeckt am besten)
Ofen auf 200°C vorheizen und sobald die Soße lecker ist, die Lasagne wie folgt zusammen bauen: unten Soße, dann 1 Schicht Lasagne-Platte(n) - die ohne vorkochen - wieder Soße, darauf dünn Bechamelsauce (kann man in dem Fall auch fertig kaufen, schmeckt trotzdem) Käse... Platten, Soße, Bechamel, Käse usf. - Oben mit Käse abschließen. In der geschlossenen Form - bzw. mit Alu bedeckt - in den heißen Ofen schieben; 30 Minuten backen. Dann eine viertel Stunde ohne Abdeckung bräunen lassen. Fertig. Lecker.

Ach Bella Italia. Kopfsalat dazu, Wein entkorkt und die Füße hochgelegt. Eine der besten Arten, die Frühjahrsmüdigkeit zu zelebrieren und gepflegt darauf zu warten, wann denn endlich das Laub auf die Bäume zurückkehrt. Vielleicht fährt Huslige ja nach langer Zeit mal wieder nach Süden, wo die Zitronen sicher schon blühn.

Rosige Ostern

Vorgestern mit der kleinen (naja...) Schwester im Rosis gewesen und eine richtig gute Party gehabt. Trotz Billigst-Hain, dass der Husligen sonst nicht unbedingt taugt und gruslig-dunklem Weg bis zum Rosi-Gelände. Auf die Party sind wir über die Ankündigung im Tontransfer gestoßen, wo man immer wieder einen Glücksgriff tun kann.
Eine nette Mischung bot das Rosis, bezogen auf alles: die DJs erfreuten mit guter Mixkunst, der Gin Tonic war lecker und das Publikum sowohl Alters-, als auch homo/hetero-mäßig fein durchwachsen. Zwei Räume mit unterschiedlicher Musik, Charme des Abruchgeländes, Garten mit Sand usw. usf.
Und die B-Girls, die mit österlichen Girls Breaks erfreuten, waren richtig süß.

Tags drauf, leicht verkatert aber glücklich, überkommt Huslige eine mütterliche Sonntags- und Kuchenbackstimmung, und österlich hingerissene Erinnerung an den Osterhastenkuchen der böhmischen Oma - nicht zuletzt, weil delicious days zuletzt eine wunderschöne Biskuitrolle gebacken hat, die solcherlei Romantik förmlich erzwingt.

Der Osterhasenkuchen meiner Oma
Man braucht 1 Biskuit für eine Torte, den macht man z.B. so:
4 Eiweiß, 4 Eigelb, 100 g Zucker, 80 g Mehl, 80 g Stärkemehl: Eiweiß steif schlagen, dann den Zucker zugeben und so lange schlagen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Die Eigelbe unterziehen, dann das mit Stärke vermischte Mehl darüber sieben und ebenfalls mit dem Schneebesen unterheben. In die Backform streichen und bei 200°C ca. 20-25 min. backen.

Außerdem: 1 kleines Glas gutes säuerliches Johannisbeergelee, 1 Becher Sahne, Saft von 1 Zitrone und einer Orange, 2 Esslöffel starker Rum. Zuckerguss aus Puderzucker und Zitronensaft. Kokosflocken.

Wenn der Biskuit gebacken und ausgekühlt ist, teilt man ihn vorsichtig in drei Platten oder hölt ihn in der Mitte aus (je nachdem wie hoch er aufgegangen ist) - die mittlere Platte (das Herausgehölte...) vearbeitet man zu kleinen Bröckchen, tränkt diese mit Orangensaft, Zitronensaft und Rum und mischt sie mit der steif geschlagenen Sahne und einigen Löffeln Johannisbeergelee zu einer marmorierten Masse und füllt den Kuchen damit. Wenn der Kuchen zusammengebaut ist, werden sein Deckel und Rand erst dünn mit Johannisbeergelee und dann mit Zuckerguss bestrichen; solange der Guß noch feucht ist marmoriert man diese beiden Schichten mit einem Löffel, das sieht sehr hübsch aus.
Der Rand des Kuchens wird dann noch mit Kokosflocken verziert.

anonym sister

Am besten schmeckt das Ding, wenn es anschließend eine Nacht kühl gestellt wird.
hmmm .... ach Kindheit... Zuckerschocks..., Babyspeck... Seufz...
Ich geh jetzt Kuchen backen. Für meine kleine Schwester.

perfect days, little sister! - Two Fish, Fastenbier und geschabte Kässpatzen zum Karfreitag...

Die letzten Tage durfte Huslige entspannte Stunden mit ihrer kleinen Schwester verbringen. Dies beinhaltete unter anderem einen Besuch der Inszenierung "IRRE" von Two Fish am HAU 3, - eine sehenswerte Vorstellung, die allerdings an "Kann man können wollen" - dem letzten Stück der Combo - nicht heranreicht; einen mediterranen Einkauf am Maybachufer, danach eine Pizza mit Meeresfrüchten, (selbstgemacht.... hmmm) und einen nächtlichen Absacker in der Möbel Olfe - Ein Klassiker, von dem man eben doch nie zu viel bekommen kann, obgleich das Zywiec-Bier (zumindest bei mir) - am nächsten Tag regelmäßig mörderische Kopfschmerzen verursacht.
Heute Abend gehts ins HAU 1, da sehen wir Geometronomics von Storm und Discipulos do Ritmo. Hierzu: Tanzinteressierte aufgepasst, vom 21. - 23. 4 findet im Haus der Kulturen der Welt der Tanzkongress statt, in dessen Rahmen die Theater der Stadt die Crème der internationalen Tanzszene eingeladen haben; Expertengespräche und massig Vorträge, Lectures und Workshops kann man tagsüber sehen / hören / besuchen; dazu muss man nur eine Tageskarte für den Kongress erwerben, die kostet 10 Euro.

Und weil perfekte Tage (und auch nur beobachtete körperliche Aktivität) Hunger machen, zudem aus wildem Blogger-Konkurrenz-Gehabe, schreibe ich euch hier das Rezept für Käääs-Spätzle auf, wie wir sie vorgestern genossen haben, da Schwesterlein genauso ein bayerischer Schwab ist wie die Huslige selbst. (folgendes Rezept ist berechnet für 4 Hungrige)
1 Pfund Weizenmehl mit
1 Teelöffel Salz, etw. Pfeffer und Muskat vermischen
7 Eier hineinhauen,
etwa 3 Esslöffel lauwarmes Wasser dazu
und mit einem Schneebesen und viel Ausdauer so lange (agressiv) verrühren bis der Teig eine zäh-leimige Konsistenz aufweißt und Blasen wirft. Die Mischung mindestens 20 Min. in Ruhe lassen;
Inzwischen einen großen Haufen Bergkäse (z.B. Appenzeller, Emmentaler, Greyzer gemischt) reiben (grob gerieben genügt); falls gewünscht einen Salat herrichten...

2 große Gemüsezwiebeln in feine Ringe schneiden.
In ordentlich Butter auf den Herd stellen, ganz wenig Puderzucker drauf streuen und ganz langsam braun schmoren lassen; am Schluß (dauert lange) leicht salzen.
Einen großen Topf Salzwasser zum Kochen bringen und auf Mittelhitze schalten so dass das Wasser immer am Sieden bleibt. Ofen auf 200 Grad vorheizen, eine riesige (oder zwei normale) feuerfeste Form(en) bereitstellen.
Jetzt braucht man ein nasses Holzbrett und ein Messer; auf das Brett gibt man einen großen Löffel Spätzle-Teig, legt es auf dem Topfrand ab, streicht den Teig mit dem Messer glatt und schiebt dann mit Hilfe des Messerrückens kleine Teigwürmer ins siedende Wasser; (die Konsistenz des Teigs ist richtig, wenn er zuerst am Messerrücken kleben bleibt und dann als langezogener Tropfen ins Wasser fällt). Sobald ein Löffel Teig fertig geschabt ist, holt man die an der Oberfläche schwimmenden Spätzle mit einem Schaumlöffel aus dem Topf und lagert sie in der feuerfesten Form, hin und wieder in Gesellschaft eines Stückchen Butter...
Ist der gesamte Teig in Spätzle verwandelt, vermischt man selbige in der Form mit dem geriebenen Käse und läßt sie etwa 20 Minuten im heißen Ofen emulgieren... (Inzwischen kann man den Wein - gern ein Gewürztraminer, ein Riesling oder sowas - dekantieren und den Salat anmachen)
Die Spätzle werden schließlich in tiefen Tellern gekrönt von braunen Zwiebeln serviert.
Wohl bekomms.

La Crapule

Meine liebe Arbeitskollegin S und ich haben für eine anstrendgende Fleißaufgabe ein wenig Geld extra bekommen, und bevor wir es albern aufzuteilen begonnen hätten, sollte es lieber auf den Kopf gehauen werden. Daher (man gönnt sich ja sonst nix):
Lacrapule.jpg

(Bild lizenziert unter Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.5
Lizenz: Creative Commons-by-sa)

Amuse Geule: Filetstreifen mit Gemüse in Balsamico, Weißbrot, Knoblauchcreme
Vorspeise: gratinierter Ziegenkäse auf Salatbett
Hauptgang für mich: Escalope vom Lamm auf Sherrysauce, Gemüse, Kartoffeln
Hauptgang für meine Freundin: Seewolf in Mandelbutter mit Gemüse
Nachspeise: Creme Brulée (am Tisch mit einem heißen Eisen unter viel Rauchentwicklung frisch verbrutzelt)
dazu Corbiere für mich, Cote du Rhone für sie. Und eine Flasche Sprudel
Mehr braucht man dazu ja wohl nicht mehr sagen. Ach doch. 53 Euro all ink für beide.

Geld weg, Bauch voll, Seele baumelt.
La Crapule
Skalitzerstr. 68
U. Schlesisches Tor
Tel: 030/69565010
Öffnungszeiten: Mo-Fr ab 12 Uhr, Sa-So ab 18 Uhr

Oliven und selbstständiger Camembert - später auf einen Kaffee mit Sick Boy

Laue Luft und frohe Laune führten Huslige heute ans Maybachufer zum Wochenmarkt (bitte unter diesem Link die Mp3 beachten), da kann man Glück kaufen (oder einfach bloß erlaufen). Schon am dritten Stand bleibt Huslige in plötzlicher Konsumgier stehen und ordert 150 g Oliven in Kräutern. Noch während der nette Verkäufer die Ware - wegen des Öls - sorgfältig in 2 Tüten schlägt, schämt sich Husilge, wohl wissend, dass aller Sorgfalt zum Trotz sofort drüber hergefallen werden muss... Weiter auf ins Gedränge und dabei mit frühlingshaft kirschfarben lackierten Fingernägeln in die Tüte gegriffen, dann gar reingerüsselt, bis Nägel, Finger und huslige Schnute mit Öl und mediterranen Kräutern verziert sind.

Markt

Nach dem Fressanfall im Gedränge (3 Anstandsoliven bleiben übrig) werden verstohlen die Finger beleckt und an der Jeans abgewischt und weiter gehts an jeder Menge Augen, Ohren und Nasen-Schmaus vorbei. Hmmm... Tintenfische auf Eis wechseln sich mit Orangenbergen ("Orangen 3 Kilo für 2!"), Gewürzen, synthetischen Tüchern, Plastikspielzeug, Süßigkeiten und Brotbergen ab. Herrlich ist das. Zum kläglichen Olivenrest wandern in der nächsten Stunde eine immense Tüte Eisenkraut (= Verbena. - ein super Tee, "reiner Wohlfühltee" wie mir eine Verkäuferin mal versicherte), mehr eingelegte Oliven (diesmal unangetastet), gefüllte Peperonie, ein Ziegencamembert (so weich dass er sich schier verselbstständigt) und ein wirklich übertrieben großes Paket einer mir bis dato unbekannten türkischen Süßigkeit aus getrockneten Aprikosen, Pistazien, Kokosflocken und Feigen.
Glücklich und fast pleite dann auf einen Absacker-Kaffee in die Ankerklause, einen Tisch am Fenster Richtung Kanal erwischt und, mit einem Ohr dem wild berlinernden Gewäsch der Bardamen gelauscht, mit einer Hirnhälfte die inzwischen neongelb erscheinenden Trauerweiden am Landwehrkanal betrachtet, deren Zweiglein Miniaturblätter treiben, mit der anderen das Interieur des Cafes bewundert, das zwischen Hafen-Kitsch, berliner Bierseligkeit und Punkrock-Klitsche changiert - einen Milchkaffee getrunken. Und weils so schön war, und Huslige grad im Frühjahr recht anglophil ist, musste noch ein Cheddar-Toast mit Jalapenoschoten und Tomaten hinterher. - Satt und selig liebe Freunde -
PornoAnker

Unterdessen liest Huslige übrigens (anglophil...) fleißig in Irvine Welshs "Porno" - dem Nachfolgeroman zu Trainspotting - Leith 10 Jahre danach. Passt in die Ankerklause (Vgl. hier: Ankerklause Foto und da: Trainspotting Foto) und ist auch sonst zu empfehlen. Trotz - oder grade wegen seines Fortsetzungcharakters. Denn zugegeben, Mark Renton, Sick Boy, Spud und Begbie wollte man doch irgendwie einfach noch mal erleben, oder?

Clownsenten und sozialistische Überbleibsel

Zwei größere Spaziergänge machte Huslige dieses Wochenende. Einmal rund um den Schlachtensee, bei dessen Namen ich selbstverständlich immer (wenn auch mit gerunzelter Stirn) an eine Schlachtplatte - also was fleischig üppiges und auch irgendwie Rotes dachte. Inzwischen habe ich erfahren dass das "Schlachten" im See nichts mit Gemetzel sondern vielmehr mit einer mir unbekannten slawischen Sprache zu tun hat. (vgl. Wikipedia zum Schlachtensee). Tatsächlich ist der Schlachtensee im Moment ein Ausbund an Dezenz in Farbe und Bewuchs. Kahl, braun, beige, stahlblau. Beruhigend wäre das fürs Gemüt, würde nicht auf der einen Seite die Autobahn, auf der anderen Seite die S-Bahn sausen und ringsum halb Berlin spazieren. Ein wirklicher Lichtblick und Farbkleks waren hingegen entzückende Wasservöglein in clownesk buntem Gefieder, wie eine Mischung aus Ente und Papagei anmutend. Und ganz versöhnt haben mich der beginnende Regen, der die Ausflügler wieder in die S-Bahn zurücktrieb und der Erpel, der mit vorgerecktem Kopf und entschlossenem Gesichtsausdruck (ja das geht) unter leise splitterndem Geräusch einen letzten Rest dünner Eisschicht auf dem See durchbrach.

Mandarin Entesowjetisches Ehrenmal, Bildtafel

Tags zuvor ein (leider tierloser) Ausflug in den Treptower Park. Auch hier zunächst herbe Enttäuschung, denn selbstverständlich sind Rasen und Bäume noch fast nicht vorhanden und sehen winterlich trist drein. Zwar lugen Krokusse allüberall aus torfigen Untergründen, aber - und da der besonders grobe Unterschied zu den reichen Parks im Süden, die die verwöhnte Huslige so kennt - kämpfen sich Krokusse und Gras ihren Weg hart durch Mengen verstreuten Abfalls. Trauriger Anblick, grade wenn die Sonne drauflacht. Drum nicht lange gefackelt und gleich auf zum Sowjetischen Ehrenmal (da zumindest ists aufgeräumt). Halb ästhetisch überwältigt-begeistert, halb angewidert von so viel totalitär-Kitsch an nur einer Stelle! Das Monument, das teils an ein überdimensioniertes Grab (100.000 m²!), auch ans Völkerschlachtendenkmal in Leipzsch und ähnlichen unbeholfenen deutschen Nationalschnikschnak, stark an die Dramaturgie christlicher Kirchen und logischerweise auch an NS-Architektur denken läßt - ist absolut sehenswert. Vorallem die Bildtafeln mit ihrer vollkommenen übertrieben völkischen, Comik-artigen Sprache, ihren Darstellungen von vollbusigen Bauersfrauen mit fetten Maschinengewehr im Arm hat eine absolut unfreiwillig naive Komik. Links und rechts vom Mittelteil der Gedenkstätte (nehme an das sich dort die Kriegsgräber befinden - 5000 Sowjetsoldaten wurden im Treptower Park beerdigt), führen diese Tafeln, die vom Krieg gegen Nazideutschland und den Sieg der Zivilisation in Form des Sozialismus erzählen, vorbei, ähnlich den Bildern oder Seitenkapellen in großen Kathedralen, die den Leidensweg Christi auf dem Weg zum Altar als Cartoon darstellen... Und tatsächlich besitzt auch das Sowjetische Ehrenmal eine Sakristei. Unter einem irrwitzig riesigen Arbeitersoldaten, der - ein Kind auf dem Arm - ein Hakenkreuz unterm Stifel zermalmt, befindet sich eine Kapelle mit Mosaiken und goldener Schrift in deutsch und russisch in der Kuppel. Wow.

midnight canteen - in die Sommerzeit gefeiert

In Berlin wütet die Biennale. Die Zitty titelt mit Kunst ist Pop (?) Und husliger Tipp für den partyfreudigen Kunstfreund: Besucht die midnight canteen von Heman Chong und Max Schumacher! Da wird am Sa, 25.03.2006 24.00 Uhr in der Kantine des Rathaus Kreuzberg, wo sonst dröger Bürokraten-Mampf zu finden ist, ein utopisches Mitternachtsmahl mit leckeren Gerichten, Getränken und einem umwerfenden Panoramablick geboten. Die Klänge zur Zwischennutzung machen Pure, das Art Critics Orchestra (ACO) und DJ Andre Herzig.

Midnight.JPGSa. 25.03.2006 auf So. 26.03.2006,
24.00 - 06.00 Uhr
Rathaus Kreuzberg, Yorkstr. 4-11, 10965 Berlin

Karten gibts an der Abendkasse oder beim Hebbel am Ufer

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